FDWF-Strategietage 2026 – Forschung mit Zugkraft
Mit einem personellen Wechsel und spürbarem Rückenwind aus der Projektlandschaft ist die Forschungsgemeinschaft Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (FDWF) ins neue Jahr gestartet. Am 27. und 28. Januar 2026 kamen rund 30 Mitglieder bei AHP Merkle in Gottenheim zusammen, um die aktuellen Forschungsaktivitäten zu reflektieren und Impulse für zukünftige Vorhaben zu setzen.
Seit dem 1. Januar 2026 ist Johannes Ullrich neuer Geschäftsführer der FDWF. Der 36-jährige Maschinenbauingenieur mit Forschungshintergrund war zuvor als Projektbeauftragter tätig und löst Ralf Dürrwächter ab, der der Forschungsgemeinschaft weiterhin in administrativer Rolle erhalten bleibt. «Wir haben quasi eine Rochade vollzogen», erklärt Ullrich. «Ralf Dürrwächter hat in der Aufbauphase mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk eine zentrale Rolle gespielt, während ich stärker im Hintergrund gewirkt habe. Jetzt, da die inhaltliche Arbeit an Fahrt aufnimmt, verlagert sich der Fokus zunehmend auf die Forschungsprojekte, die meinen Schwerpunkt ausmachen, wobei die Netzwerkarbeit hinter den Kulissen weiterläuft.»
Ebenfalls neu im erweiterten Team ist Susanne Schröder, Sprecherin des VDWF. Sie übernimmt künftig auch bei der FDWF Schnittstellenthemen rund um Politik und Forschung. Damit soll der Austausch mit Förderinstitutionen, wissenschaftlichen Partnern und politischen Ansprechpartnern gestärkt und strategisch weiterentwickelt werden.
Der personelle Umbau markiert inhaltlich eine neue Phase für die FDWF: «Wir haben uns seit der Gründung 2021 zunächst mit den Grundlagen befasst. Jetzt aber geht es zunehmend in Richtung angewandte Forschung. Das System steht, das Projektgeschäft läuft. Im nächsten Schritt geht es darum, die Inhalte in die Betriebe zu bringen», beschreibt Ullrich die neue Entwicklung.
Forschung mit Wirkung: Projekte und Perspektiven
Mit einem verwalteten Fördervolumen von rund 2,6 Millionen Euro und mehr als 30 eingereichten Anträgen hat die FDWF ihre Rolle als zentraler Impulsgeber für vorwettbewerbliche Forschung im Werkzeug- und Formenbau weiter gestärkt. Im Mittelpunkt der Strategietage standen die Zwischenberichte aus vier bewilligten Forschungsvorhaben:
- ReIteratE – Reduktion von manuellen Iterationsschritten im Einarbeitungsprozess von Umformwerkzeugen (Fraunhofer IWU)
- Robust – Verschleißfeste, optisch strukturierte Werkzeugbeschichtungen zur Erzeugung hochwertig anmutender Kunststoffkomponenten aus Recyclingmaterialien (Fraunhofer IWM)
- ExAM – Extrusionswerkzeuge auf Basis von Additive Manufacturing (Hochschule Schmalkalden, Universität Paderborn, Fraunhofer IAPT)
- EWAM – Effizienter Werkzeugbau mit Additiver Fertigung (Fraunhofer IWU)
Die vorgestellten Projekte machten deutlich: Die FDWF positioniert sich als Wegbereiterin für praxisorientierte Forschung mit konkretem Nutzen für den industriellen Alltag. In der Diskussion am zweiten Veranstaltungstag wurde deutlich, dass dieser Anspruch weitaus stärker systematisiert werden soll. Die daraus entwickelte Leitidee lautet «Pragmatische Innovation» – gemeint ist Forschung, die auch dort ankommt, wo sie der Branche unmittelbar hilft: nämlich im Betrieb.
Künftig sollen Projekte daran gemessen werden, ob sie innerhalb eines Zeitraums von drei bis fünf Jahren nach Abschluss greifbare Ergebnisse liefern können – etwa in Form von Prozessrichtlinien, Softwarelösungen, modularen Konstruktionsansätzen oder konkreten Handlungsempfehlungen für die Werkbank. Auch der Transfer in Projekte des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) wird dabei explizit mitgedacht. Dieses bundesweite Förderformat des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützt kleine und mittelgroße Unternehmen bei der Entwicklung marktnaher Technologien – eine logische Anschlussoption für Forschungsansätze, die das Potenzial für Produktivitätsgewinne oder neue Geschäftsmodelle mitbringen.
Damit solche Projekte noch passgenauer auf den Bedarf der Unternehmen ausgerichtet sind, setzt die FDWF künftig verstärkt auf Struktur, Verbindlichkeit und direkte Unternehmensbeteiligung: Mit einem zweistufigen Pitch-Verfahren, klar definierten Ergebnisformaten und Unternehmenspaten aus dem Mitgliedskreis soll der Praxistransfer von Anfang an mitgedacht und aktiv begleitet werden.
Neue Projektplattform: Austausch, Transparenz, Impulse
Ein weiteres zentrales Anliegen der FDWF ist es, Forschung nicht nur zu verwalten, sondern lebendig zu gestalten. Mit einer neuen Projektplattform des Verbands wurde auf den Strategietagen ein Tool vorgestellt, das genau das ermöglicht.
Die Mitglieder erhalten dort einen zentralen Zugang zu allen laufenden Forschungsvorhaben – inklusive Status, Inhalten, Ansprechpartnern und Entwicklungsschritten. Auch der Austausch untereinander wird über die Plattform unterstützt. Sie bietet Raum für Feedback, kurze Impulse oder Diskussionsanstöße und hilft, die oft langfristig angelegten Forschungsprojekte in ihren Zusammenhängen verständlich zu machen.
«Forschungsprojekte sind manchmal wie Puzzles. Unsere Plattform hilft den Mitgliedern, sich die passenden Teile für ihren Betrieb herauszusuchen», erklärt Ullrich.
Gemeinsam gestalten: ein Treffen mit Signalwirkung
Die Rückmeldungen zu den Strategietagen fielen durchweg positiv aus, getragen von verschiedenen Berichten aus Forschungseinrichtungen, greifbaren Ergebnissen, konstruktivem Dialog und der spürbaren Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu gehen. Die Dynamik des vergangenen Jahres zeigte sich nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch in konkreten Fortschritten: vom neuen Pitch-Verfahren über die digitale Plattform bis hin zur Leitidee «Pragmatische Innovation», die noch stärker auf Anwendbarkeit und Nutzen im Betrieb abzielt.
Besonderer Dank gilt Gastgeber AHP Merkle, der mit seinem Standort in Gottenheim nicht nur für einen professionellen Rahmen sorgte, sondern mit Offenheit und Dialogbereitschaft auch einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Strategietage leistete. Christen Merkle, Geschäftsführer des Unternehmens und selbst FDWF-Mitglied, brachte es in seinem Abschlusswort auf den Punkt: «Gerade in schwierigen Zeiten dürfen wir nicht ins Klagen verfallen, vielmehr gilt es, mit der in der Runde spürbaren Energie gemeinsam weiterzugehen. Wir kommen nur voran, wenn wir machen!»
Die FDWF will diesen Schwung mitnehmen – in die Projektarbeit, in den Transfer und in die Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern. Die nächsten Strategietage sind für Januar 2027 geplant. Ort und Termin werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Zur Originalmeldung und weiteren Bildern